Every single street Zürich

Laufen, dokumentieren, eine Stadt verstehen.

Every Single Street ist ein globales Dokumentationsprojekt, initiiert vom Läufer und Künstler Rickey Gates. Die Idee ist einfach: jede Strasse einer Stadt zu laufen und zu dokumentieren, was unterwegs passiert.

Kontext

In Zürich nahm das Projekt die Form einer langfristigen, selbst auferlegten Erkundung der Stadt zu Fuss an. Nicht als Leistungsherausforderung, sondern als Möglichkeit, den urbanen Raum von innen zu erleben – Strasse für Strasse, Quartier für Quartier, ohne Abkürzungen.

Was dabei entsteht, ist nicht nur eine Karte der gelaufenen Routen, sondern eine andere Art, die Stadt wahrzunehmen: Muster, Wiederholungen, verborgene Verbindungen und übersehene Details, die sich erst durch langsame, wiederholte Bewegung offenbaren.

Prozess & Dokumentation

Das Projekt verband körperliche Erkundung mit systematischer Dokumentation.

Routen wurden geplant, ausgedruckt, markiert und mittels GPS-Daten aufgezeichnet und anschliessend durch Karten und Animationen visualisiert, die nach und nach das wachsende Netz der gelaufenen Strassen sichtbar machten. Die Fotografie spielte dabei eine zentrale Rolle und hielt Fragmente des urbanen Alltags fest – Texturen, Schilder, Objekte, Menschen und Momente, die sonst oft unbeachtet bleiben.

Zur Dokumentation der Reise wurde ein eigener Instagram-Account eingerichtet. Was als persönliches Archiv begann, entwickelte sich rasch zu einem Austauschpunkt mit einer internationalen Community von Läuferinnen und Läufern, die ähnliche Projekte in Städten wie Portland, New York, Mailand oder Mexiko-Stadt umsetzten – jede und jeder mit einer eigenen Interpretation von Every Single Street.

Das Projekt erhielt zudem mediale Aufmerksamkeit in der Schweiz, unter anderem durch eine Berichterstattung im Tages-Anzeiger sowie ein Interview im nationalen Radio Rete Uno, wodurch die Idee über die Laufcommunity hinaus in einen breiteren kulturellen Kontext getragen wurde.

Fotografie

Die Fotografie war kein nachgelagerter Bestandteil, sondern ein ständiger Begleiter des Projekts. Bei jedem Lauf lag der Fokus – neben Orientierung und Routenaufzeichnung – stets auf der Beobachtung. Über die Zeit entstanden Tausende von Momentaufnahmen: oft nur ein kurzes Anhalten, ein einzelnes Bild, und weiter ging es.

Reflexion

Jede Strasse einer Stadt zu laufen, hat letztlich weniger mit Distanz oder Ausdauer zu tun als mit Aufmerksamkeit.

Das Projekt zeigte, wie Bewegung zu einem Werkzeug für Beobachtung, Storytelling und Verbindung werden kann – indem Daten zu Erzählungen, Karten zu Erinnerungen und Wiederholung zu Bedeutung werden. Es bewegt sich irgendwo zwischen Sport, urbaner Erkundung und visueller Dokumentation.

Auch wenn es kein kommerzielles Projekt ist, bleibt Every Single Street – Zürich ein klares Beispiel dafür, wie Struktur, Disziplin und kreative Dokumentation eine einfache Idee in eine vielschichtige, teilbare Erfahrung verwandeln können – eine, die zwischen körperlicher Anstrengung, digitalen Medien und kollektiver Vorstellungskraft existiert.

Fokus

Dokumentation, Fotografie, Datenvisualisierung, Motion, redaktionelles Storytelling